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Paul van Dyk & Paramida über „German Connection“ & die große Freiheit im Amnesia Ibiza

50 Jahre Amnesia – eine Zahl, die beeindruckend und unwirklich zugleich klingt. Die Club-Legende prägt seit vielen Jahrzehnten die elektronische Szene auf der weißen Insel – und weit darüber hinaus. Die deutsche Szene gehört sicherlich zu den engsten Verbündeten Ibizas – weshalb in beinahe jedem eindrucksvollen Line-Up auch deutsche Artists auftauchen. Im Amnesia wird keine [...]

50 Jahre Amnesia – eine Zahl, die beeindruckend und unwirklich zugleich klingt. Die Club-Legende prägt seit vielen Jahrzehnten die elektronische Szene auf der weißen Insel – und weit darüber hinaus.

Die deutsche Szene gehört sicherlich zu den engsten Verbündeten Ibizas – weshalb in beinahe jedem eindrucksvollen Line-Up auch deutsche Artists auftauchen. Im Amnesia wird keine Ausnahme gemacht. Paul van Dyk und Paramida reflektieren ihre jeweiligen Verbindungen zum Club, zur Insel und heben eine besondere Art von Freiheit hervor, die für sie über Nationalitäten und Cluberwartungen heraus eine einzigartige Erfahrung darstellt.

Van Dyk ist bereits seit den frühen 1990er-Jahren Teil der deutschen elektronischen Musikszene und somit auch eng mit Amnesia und Ibiza verbunden. Enorme Veränderungen hat er dort über all die Zeit jedoch nicht miterlebt. Im Gegenteil. „Ibiza war schon immer ein ganz besonderer Ort für elektronische Musik, aber auch für Gemeinschaft. Die Insel brachte Musikliebhaber und Künstler aus aller Welt zusammen“, so die Trance-Legende. „Ich habe erlebt, wie Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Herkunft gemeinsam getanzt haben, vereint durch die Kraft der Musik. Dabei sind Freundschaften entstanden, obwohl sie sich auf der Landkarte eigentlich als Feinde gegenübergestanden hätten.“ Das sagt der 54-Jährige nicht einfach so. Vielmehr verknüpft er diese Eindrücke unmittelbar mit seiner eigenen Karriere. „Das hat mich definitiv geprägt und schließlich zum ersten Album ‚The Politics Of Dancing‘ geführt.“

Paramida wiederum kommt straight aus einer Berliner Clubkultur, die sich traditionell deutlich von Ibiza unterscheidet. Statt großer Differenzen betrachte sie jedoch die Stärken beider Umfelder, als ergänzten sie sich erfolgreich. Einen deutschen Einfluss auf Ibizas Szene zu verallgemeinern, sehe sie eher als „schwierig“: „In der deutschen Clubkultur liegt der Fokus stark auf der Musik selbst und darauf, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Menschen vollkommen in ihr verlieren können. Außerdem gibt es eine gewisse Ernsthaftigkeit und viel Liebe zum Detail. Ich glaube allerdings, dass die jüngere Generation heute deutlich offener und flexibler ist und ein reger Austausch zwischen den verschiedenen Szenen stattfindet.“ Beim Thema Freiheit schließe sich dann auch wieder ein Kreis. „Ich liebe die Freiheit und Offenheit der Insel sehr. Hier herrscht eine ganz besondere Energie, die man nirgendwo sonst findet.“

Auch Paul van Dyk schlägt in eine ähnliche Kerbe. Ibiza sei ein „Schmelztiegel für Clubgänger und DJs“. Als tourender Künstler reise man normalerweise von einer Stadt und Kultur zur nächsten. „Auf Ibiza hingegen kommt die ganze Welt zu dir. Menschen aus Deutschland, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden und vielen anderen Ländern teilen sich denselben Dancefloor und bringen jeweils ihre eigene Energie mit. Dieses Aufeinandertreffen schafft eine einzigartige Atmosphäre, die Musikliebhaber und Künstler gleichermaßen fasziniert.“ Eine dieser Künstlerinnen ist Paramida, die gerne mal zwischen frei zwischen House, Trance, Progressive und anderen Einflüssen wechselt. Ibiza-Clubs wie Amnesia würden ihr diese Art von Freiheit beim Auflegen gewährleisten. „In Berlin gibt es oft einen sehr spezifischen Clubkontext und bestimmte Erwartungen an eine Nacht. Im Amnesia kann ich mit größeren Kontrasten spielen und die Menschen auf eine ganz andere Reise mitnehmen. Ich mag es, dass meine Sets nicht in ein einziges Genre passen müssen.“

Ibiza und Amnesia vermeiden Schubladendenken wie Nationalität oder Genre-Limits. Für Paul van Dyk, der sich als „Kosmopolit“ bezeichnet, ein Grund immer wieder zurückzukehren. „Deutsche DJs wie Sven Väth und Künstler wie Solomun sind seit Jahrzehnten Teil der musikalischen Landschaft Ibizas. Dennoch hat jeder von uns eine individuelle Vorstellung davon, wie man ein DJ-Set gestaltet oder eine Clubnacht konzipiert“, sagt vyn Dyk und ergänzt: „Für mich geht es in der Clubkultur darum, herausragende Künstler zusammenzubringen – unabhängig davon, woher sie kommen – und sie mit Menschen zu vereinen, denen die Musik wirklich am Herzen liegt, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Pass.“ Wichtig seienm ihm authentische Musik, leidenschaftliche Künstler und einen Dancefloor, der durch die gemeinsame Liebe zu anspruchsvoller elektronischer Musik vereint wird.

Um als Club relevant zu bleiben und seine Identität zu wahren, müsste der eigene Spirit aufrecht erhalten werden, anstatt zu versuchen, einen bestimmten Sound zu konservieren, so Paramida. „Musik und Publikum verändern sich ständig, also muss sich auch ein Club mit ihnen weiterentwickeln. Aber das Gefühl, das ein Ort vermittelt, die Verbindung zwischen den Menschen und der Musik sowie ein gewisses Gefühl von Freiheit sollten bleiben. Genau das macht einen Club zu mehr als nur einer Veranstaltungsstätte.“ Zuletzt legte sie am 15. September im Amnesia auf. Gigs wie diese würde ihr die Möglichkeit bieten, ihre „verspielte Seite“ auszukosten. „Ich möchte immer viel Energie mitbringen, die Menschen aber auch an unerwartete Orte führen. Ich will mich vorher nicht wirklich festlegen, wie die Nacht klingen soll. Ich möchte auf das Publikum eingehen und die Musik sich ganz natürlich entwickeln lassen.“

Für Paul van Dyk, der zuletzt am 26. September im Amnesia gastierte, sieht das ähnlich aus, allerdings bringt seine lange Karriere auch Hits und Charterfolge mit sich, die seine Anhängerschaft erwartet. „Die Leute möchten Tracks wie ‚For An Angel‘, ‚Café del Mar‘ oder ‚Saltwater‘ hören und fühlen. Das sind besondere Momente, die sie mit einer bestimmten Zeit ihres Lebens verbinden.“ Gleichzeitig sei das Amnesia schon immer ein Ort für ihn gewesen, an dem neue musikalische Ideen, unveröffentlichte Tracks und unerwartete Richtungen ausprobiert werden konnten. „Hier sind die Menschen bereit, dem DJ zu vertrauen und sich auf eine musikalische Reise einzulassen. Genau so gehe ich an mein Set heran: etwas Neues, etwas Vertrautes und jede Menge Raum, damit das Publikum und ich gemeinsam ein Erlebnis schaffen können, das ganz diesem einen Moment gehört.“

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