
Laut einer neuen Studie sind Veranstaltungen, die von Schwarzen und anderen BIPoC-Personen (Black, Indigenous and People of Color) organisiert werden oder sich gezielt an diese Communities richten, in London häufiger von Absagen und bürokratischen Hürden betroffen als Events weißer Veranstalter. Obwohl sich die Untersuchung auf die britische Hauptstadt beschränkt, wirft sie Fragen auf, die auch für andere Städte und die internationale Clubszene relevant sind: Wie stark werden BIPoC-Communities strukturell benachteiligt?
Die Recherche wurde von REMEL (Race Equality in Music Event Licensing) initiiert und sammelte über einen Zeitraum von zwei Jahren Informationen, um rassistische Ungleichheiten innerhalb der Musik- und Veranstaltungsszene sichtbar zu machen. Die Studie umfasst Interviews mit Promoter:innen, Künstler:innen, Clubbetreiber:innen und weiteren Akteur:innen. Darüber hinaus wurden Daten der Greater London Authority, der Metropolitan Police, von UK Music, LIVE und der Musikergewerkschaft ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Veranstaltungen mit einem Schwerpunkt auf der Schwarzen und südasiatischen Community „mit tiefgreifenden systematischen und institutionellen Hindernissen konfrontiert sind“. So werden Anträge auf eine vorübergehende Veranstaltungsgenehmigung – sogenannte Temporary Event Notices (TENs) – in den von Vielfalt geprägten Stadtbezirken Londons offenbar häufiger abgelehnt.
Zugleich verdeutlicht die Studie, dass etablierte Veranstaltungsorte und Events, die überwiegend von weißen Akteur:innen geprägt sind, offenbar leichter mit Problemen umgehen können und eher Unterstützung erhalten. BIPoC-geführten Veranstaltungen wird diese Unterstützung hingegen nicht im gleichen Maße zuteil.
Die Untersuchung macht damit deutlich, dass marginalisierte Gruppen in der Szene nicht nur um Sichtbarkeit kämpfen müssen, sondern auch mit strukturellen Hürden konfrontiert sind, die ihren langfristigen Erfolg erschweren. Besonders problematisch ist das angesichts der Schwarzen Wurzeln elektronischer Musik, die unter anderem in Städten wie Detroit und Chicago liegen. Werden Schwarze und andere BIPoC-Communities bei der Organisation von Veranstaltungen benachteiligt, gerät auch das kulturelle Erbe der elektronischen Musik aus dem Blick.
Nach Angaben der London Assembly sollen die Forschungsergebnisse in die Entwicklung eines Londoner Aktionsplans gegen Rassismus einfließen. Dieser soll Bezirksräten, der Musikbranche und der Polizei als Leitfaden dienen, um bestehende Verfahren zu überprüfen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Maßnahmen gegen strukturelle Benachteiligung zu entwickeln.
Weitere Informationen findet ihr in der Studie selbst.
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