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The Blaze: Aufladen für das nächste Kapitel

90 Minuten The Blaze, allerdings anders als man das französische Duo von seinen großen Liveshows kennt. Beim Voodoo Village in Belgien stehen Guillaume und Jonathan Alric für ein DJ-Set hinter den Decks – direkter, härter und deutlich näher am Dancefloor. Kurz danach sitzen die beiden zum Interview. Die Energie des Sets ist noch da, gleichzeitig [...]

90 Minuten The Blaze, allerdings anders als man das französische Duo von seinen großen Liveshows kennt. Beim Voodoo Village in Belgien stehen Guillaume und Jonathan Alric für ein DJ-Set hinter den Decks – direkter, härter und deutlich näher am Dancefloor. Kurz danach sitzen die beiden zum Interview.

Die Energie des Sets ist noch da, gleichzeitig schließt sich an diesem Ort ein kleiner Kreis: Brüssel spielte bereits ganz am Anfang ihrer gemeinsamen Geschichte eine Rolle. Für The Blaze ist es der erste Auftritt beim Voodoo Village, die Rückkehr nach Belgien dagegen alles andere als Neuland. „Es ist immer ein Vergnügen, wieder nach Belgien zu kommen“, erzählen sie. Vor allem das Publikum sei ihnen über die Jahre im Gedächtnis geblieben: „Die Leute hier sind immer sehr energetisch. Vielleicht liegt es am Bier, ich weiß es nicht“, sagt Guillaume lachend. Oder schlicht an der Mentalität. „Sie lieben es einfach zu feiern. Wenn es regnet, ist es ihnen egal. Sie feiern und hören der Musik zu.“ Brüssel besitzt für The Blaze darüber hinaus eine persönliche Bedeutung. Jonathan lebte während seines Studiums im Zentrum der Stadt. Wenn er heute an diese Zeit zurückdenkt, sind es zunächst die Menschen, die ihm in Erinnerung geblieben sind: „Alle waren sehr freundlich und offen.“ Und dann natürlich das, woran man in Belgien offenbar kaum vorbeikommt: Bier, Pommes und Nächte im Délirium. „Es ist sehr touristisch, aber dort gibt es ungefähr 2.000 verschiedene Biersorten. Man betrinkt sich – und es ist ziemlich cool“, erinnert er sich lachend. „Sehr klassisch.“

Beim Voodoo Village blieb für Nostalgie allerdings kaum Zeit. The Blaze waren erst rund 30 Minuten vor ihrem Set auf dem Gelände angekommen, nachdem sie am Vortag noch in Schweden gespielt hatten. Umso unmittelbarer fiel die Begegnung mit dem Publikum aus. Denn ein DJ-Set zeigt eine andere Seite des Duos als die stark durchkomponierte Liveshow. „Live spielen wir ausschließlich unsere eigenen Tracks“, erklären sie. „Wir schließen die Augen, müssen singen und mit den Maschinen synchron sein.“ Hinter den Decks dagegen können sie „die Menschen anschauen und die Stimmung spüren“ – und ihre eigenen Produktionen mit Musik anderer Künstler verbinden. „Es ist ein Vergnügen für uns, die Musik anderer Leute spielen zu können – Musik, die wir lieben – und sie mit unserer eigenen zu mischen.“ Entsprechend fällt auch die Auswahl direkter aus: mehr Energie, mehr Electro, etwas mehr Techno. „Wir wählen einfach Tracks, die wir lieben und zu denen wir selbst tanzen. Dann versuchen wir, sie den Leuten zu geben, damit sie ebenfalls dazu tanzen können.“

Diese Offenheit steht durchaus im Kontrast zu jener Präzision, für die The Blaze seit ihren ersten Veröffentlichungen bekannt sind. Musik, Film und Inszenierung verschmelzen bei dem Duo seit jeher zu einer eigenen Bild- und Klangsprache. Wie groß diese Welt inzwischen geworden ist, dokumentiert auch „FOLK – Live at the Royal Albert Hall“. Für die Veröffentlichung hatten The Blaze zahlreiche Konzerte mitgeschnitten. Dass am Ende ausgerechnet die Londoner Royal Albert Hall ausgewählt wurde, war kein Zufall. „Die Albert Hall ist ein historischer Ort, den jeder kennt. Und auch die Akustik dort ist sehr speziell.“ Rund 20 Shows seien aufgenommen worden, um sich die Entscheidung offenzuhalten. Am Ende fiel die Wahl auf London.

Nach Jahren, in denen auf neue Musik große Liveshows und auf die Liveshows wiederum Tourneen folgten, befinden sich The Blaze mittlerweile an einem anderen Punkt. Aktuell spielen Guillaume und Jonathan vor allem DJ-Sets – auch, um kreativ wieder Abstand zu gewinnen. „Wenn man kreativ wirklich auf der Höhe sein möchte, muss man irgendwann eine Pause machen“, erklären sie. Derzeit gehe es darum, die „creative battery“ wieder aufzuladen. Einen festen Fahrplan für neue Musik gibt es bewusst nicht. „Wir planen solche Dinge nicht gerne. Wir glauben, dass wir sie fühlen müssen.“ The Blaze wollen sich Zeit nehmen und mit etwas zurückkommen, das sich wirklich neu anfühlt. „Nichts ist geplant – aber natürlich ist etwas geplant“, sagen sie lachend. Nur eben ohne Termin im Kalender.

Diese Freiheit verteidigen sie auch gegenüber ihrem Label. Regelmäßige Anrufe mit der Frage nach der nächsten Platte? „Manchmal“, geben sie grinsend zu. Doch ihre Partner würden inzwischen wissen, wie The Blaze funktionieren: „Sie kennen uns. Wenn wir bereit sind, sind wir bereit.“ Vielleicht beschreibt genau das den aktuellen Zustand des Duos am besten. Nach dem internationalen Erfolg, großen Hallen und Jahren auf Tour geht es nicht darum, möglichst schnell den nächsten Zyklus zu starten. Denn Inspiration, sagen sie, lasse sich ohnehin nicht terminieren: „Sie kommt, wenn sie kommt.“

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