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Voodoo Village Festival: Vom Gartenfest zum eigenen Kosmos

Vom Gartenfest mit rund 100 Gästen zu einem Festivalwochenende mit 40.000 bis 50.000 Besuchern: Voodoo Village hat sich innerhalb von elf Ausgaben enorm entwickelt. Doch Größe allein erklärt kaum, was das Festival im belgischen Humbeek heute ausmacht. Zwischen elektronischer Musik, Kunst, Performance, Breathwork und bewusst geschaffenen Rückzugsorten ist ein eigener Kosmos entstanden. Eine der Personen, [...]

Vom Gartenfest mit rund 100 Gästen zu einem Festivalwochenende mit 40.000 bis 50.000 Besuchern: Voodoo Village hat sich innerhalb von elf Ausgaben enorm entwickelt. Doch Größe allein erklärt kaum, was das Festival im belgischen Humbeek heute ausmacht. Zwischen elektronischer Musik, Kunst, Performance, Breathwork und bewusst geschaffenen Rückzugsorten ist ein eigener Kosmos entstanden. Eine der Personen, die diesen mitgestaltet, ist Lisa Hanze. Seit fünf Jahren arbeitet sie für Voodoo Village und verantwortet inzwischen die Art Direction.

Dabei begann ihre eigene Geschichte beim Festival wesentlich kleiner. „Ich habe buchstäblich mit Merchandise-Design und Grafiken angefangen“, erzählt Hanze. Schritt für Schritt weitete sich ihre Rolle aus, bis sie schließlich den Blick auf die gesamte künstlerische Gestaltung übernahm. Gerade bei einem Festival wie Voodoo Village sei das entscheidend: „Wir arbeiten mit so vielen unterschiedlichen Menschen. Es ist eine große Co-Creation. Jemand muss den Blick auf das Ganze behalten.“ Denn hinter dem Festival steht laut Hanze keine große Eventfirma, die sämtliche Bereiche zentral entwickelt. Stattdessen tragen zahlreiche Communities, Kollektive und Kreative ihren Teil bei. Viele stammen aus Belgien, hinzu kommen Teams aus den Niederlanden oder Stage Hostings aus Berlin. „Jedes Jahr wird es internationaler.“ Gleichzeitig soll genau diese Vielfalt nicht dazu führen, dass das Festival seine gemeinsame Sprache verliert – eine der zentralen Aufgaben der Art Direction.

Der größte Wendepunkt in der Geschichte von Voodoo Village kam nach Corona. 2015 hatte alles noch als Gartenparty mit gerade einmal rund 100 Menschen begonnen. Als während der Pandemie zahlreiche Festivals ausfallen mussten, profitierte Voodoo Village davon, traditionell erst im September stattzufinden. „Das hat wirklich einen Unterschied gemacht“, erinnert sich Hanze. Viele Menschen wollten wieder feiern und entdeckten dabei erstmals das Festival und insbesondere dessen außergewöhnliches Gelände mit Wald und Natur. Doch nach Corona wuchs nicht nur das Publikum. Auch die inhaltliche Idee des Festivals veränderte sich. Das Team beobachtete, wie groß das Bedürfnis nach Exzess nach den Monaten des Stillstands geworden war. „Wir haben gemerkt, dass viele Menschen sehr hart gefeiert haben“, sagt Hanze. Daraus entstand der Wunsch, dem etwas entgegenzusetzen. „Wir hatten das Gefühl, ein System entwickeln zu müssen, das die Menschen wieder darauf aufmerksam macht, was sie in ihrem eigenen Körper fühlen können – und nicht nur durch Substanzen.“

Voodoo Village begann deshalb verstärkt mit Breathwork, Wellbeing und anderen Formen körperlicher und bewusster Erfahrung zu experimentieren. „Wir haben vieles ausprobiert und wollten diese Erfahrungen anschließend den Menschen weitergeben.“ Genau hier liegt heute einer der entscheidenden Unterschiede zu einem klassischen elektronischen Festival: Musik bleibt zentral, doch sie ist eingebettet in ein deutlich breiteres Verständnis davon, was ein Festivalbesuch sein kann. Diese Philosophie findet sich auch in den verschiedenen „Worlds“ des Geländes wieder. Der Begriff ist nicht zufällig gewählt. Ausgangspunkt ist die Idee der Elemente und eines natürlichen Kreislaufs. „Vor Tausenden von Jahren haben viele Menschen nach dem System der Elemente gelebt. Das war eine große Inspiration für uns“, erklärt Hanze. Jede Welt orientiert sich an einem Element und entwickelt daraus ihre eigene Atmosphäre. Das Oracle etwa steht für Feuer – wobei Feuer für Hanze wesentlich mehr bedeutet als bloße Intensität: „Es geht um Wärme, um Transformation, um diese feurige Energie.“ Aus diesen unterschiedlichen Interpretationen entstehen Architektur, Programm und Atmosphäre der einzelnen Bereiche.

Auch neue Konzepte wie Calypso entwickeln sich auf diese Weise organisch. Die Idee entstand aus Gesprächen mit Freunden und aus der Frage, was dem Festival noch fehlte. „Wir hatten einen Downtempo-Bereich, wir hatten rohe Energie. Aber uns fehlte ein Listening Space, in dem die Leute sich zurücklehnen und einfach zuhören können.“ Statt lediglich eine weitere Bühne hinzuzufügen, wurde daraus ein eigener Raum mit eigener Ästhetik und Funktion. Dass all diese Welten überhaupt funktionieren, hängt stark mit dem Ort zusammen. Schloss, Wald und Natur sind für Voodoo Village weit mehr als Kulisse. Gleichzeitig bringt ein solches Gelände Herausforderungen mit sich. Genehmigungen seien nicht immer einfach, räumt Hanze ein. Das Festival arbeite deshalb eng mit Experten zusammen, die sich um Bäume, Tiere und das Gelände kümmern. Auch der Termin im September sei kein Zufall. „Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, wie wir das hier machen können: wirklich auf die Umgebung hören und sie respektieren – aber genauso auch die Menschen.“

Diese Haltung zieht sich letztlich durch das gesamte Gespräch mit Hanze. Voodoo Village möchte größer und internationaler werden, ohne sich von den Communities zu lösen, aus denen es entstanden ist. Internationale Künstler treffen auf lokale Strukturen, Clubkultur auf Natur, Exzess auf bewusste Rückzugsräume. Für Hanze gehört genau dieses Verhältnis von Geben und Nehmen zur Grundlage des Festivals: „Wenn man etwas nimmt, muss man auch etwas zurückgeben.“

 

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